Alle Jahre wieder am zweiten August-Wochenende trifft sich die Classic Car Gemeinde zum AvD-Oldtimer-GP auf dem Nürburging. Diesmal huldigt die Marke bei der 40. Auflage ihre fast 65 Jahre währenden Roadster-Geschichte – die neben dem E-TYPE auch unvergessene Modelle wie der XK 120, der XJ-S sowie die Le Mans-Sieger C-TYPE und D-TYPE prägten. Sie alle sind am Ring entweder live auf der Piste oder statisch im Jaguar Ausstellungspavillon zu bewundern. Kurzporträts von fünf Jaguar, die Geschichte schrieben.
XK 120: Der Kurvenstar der 50er Jahre
Den Mythos des Jaguar Roadsters begründete 1948 mit einem Paukenschlag der XK120. In nur sechs Wochen hatte ein enthusiastisches Team einen offenen Zweisitzer mit wunderschön fließenden Linien, langer Motorhaube und 3,4-Liter-Reihen-Sechszylinder auf die Räder gestellt. Es schien, als hätten die Stilisten den Körperbau und das Jagdverhalten des vierbeinigen Vorbilds aus Amazonien 1:1 in Aluminium nachgebildet: Die hinteren Kotflügel schoben sich wie bei der Raubkatze zum Vorwärtssprung zusammen, während sich die vorderen schon weit nach vorne streckten. Der XK 120 war der Kurvenstar der 50er Jahre, eine rollende Skulptur. 160 PS aus dem XK-Sechszylinder verhalfen ihm zu einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Im August 1952 spulten vier Piloten – darunter Stirling Moss – auf dem Autodrom von Monthléry bei Paris auf einem XK Coupé 27.113 Kilometer mit einem Schnitt von 171 km/h ab. Damit holten sie neun Weltrekorde nach England.
Auf den Rallyepisten Europas brachte derweil der XK 120 mit amtlichem Kennzeichen NUB 120 Jaguar erste internationale Erfolge im Motorsport ein. Ian Appleyard, assistiert von Ehefrau Patricia, der Tochter von Jaguar Firmengründer William Lyons, siegte auf XK 120 zweimal bei der Alpen-Rallye. Als er dort 1952 zum dritten Mal ohne Strafpunkte ins Ziel kam, honorierten die Organisatoren diese Leistung mit dem erstmals vergebenen Gold-Cup.
Jaguar E-TYPE: Die zeitlose Ikone
Auf den schönen XK folgte 1961 der noch verführerische E-TYPE. Sogar der sonst zurückhaltende Enzo Ferrari outete sich mit dem Lob „das schönste Auto der Welt“ als heimlicher Bewunderer. Für Jaguar erwies sich der am 15. März 1961 in Genf enthüllte Neuling nicht nur als Image-Träger, sondern auch Verkaufsschlager. In 14 Jahren erlagen über 72.500 Käufer den Reizen des als Coupé und Roadster erhältlichen Modells. So mauserte sich der E-TYPE zu einem der ersten in großen Stückzahlen produzierten Sportler. Seit 1996 ziert ein Roadster-Exemplar die Dauerausstellung des New Yorker Museum of Modern Art – eine Auszeichnung, die nur wirklich zeitlosen Designs gebührt.
Die Design-Ikone E-TYPE verströmt wie eh und je eine unwiderstehliche Aura aus Kraft, Eleganz und Sinnlichkeit. Die extrem lange Motorhaube mit den unter Plexiglasabdeckungen sitzenden Scheinwerfern, die beim Service nach vorn klappende Haube und das mutige „Fastback“ mit seitlich angeschlagener Hecktür setzten ebenso wie die keck nach oben gebogenen Auspuffendstücke neue Trends.
Radikal neu war auch die hintere Einzelradaufhängung – mit je einem Längslenker und zwei Federbeinpaketen pro Seite sowie als obere Querlenker fungierenden Antriebswellen! Rundum verzögerten Scheibenbremsen – hinten waren sie zwecks Senkung der ungefederten Massen innen angeordnet. Der Sechszylinder holte aus 3,8 Litern Hubraum 265 PS bei 5.500/min. Im März 1971 betrat dann die mit einem neu entwickelten 5,3 Liter-V12 ausgestattete Serie III die Bühne. Mit 276 PS und einem Drehmomentgipfel von 408 Nm stand die Katze mit dem heißen Blechdach nun voll im Futter. Die Euro-Version absolvierte den 0-100 km/h-Sprint in 6,4 Sekunden und kratzte erfolgreich an der 240 km/h-Marke.
Freunde des Jaguar E-TYPE kommen auch beim Oldtimer-GP 2012 wieder voll auf ihre Kosten. Beim dritten Lauf der E-TYPE-Challenge gehen über 30 Fahrzeuge in den Infight – von Coupés über Roadster bis zu den besonders schnellen „Lightweights“. Start der Markenpokal-Rennen ist am Samstag um 19:05 Uhr und am Sonntag um 16:25 Uhr.
Le Mans-Sieger C-TYPE: Der erste mit Scheiben
Eine Starparade der Jaguar Roadster wäre nicht komplett ohne die Le Mans-Sieger C-TYPE und D-TYPE. Sie stehen für die goldenen Jahre von Jaguar im Langstrecken-Sport – fünf Siege bei den 24 Stunden von Le Mans zwischen 1951 und 1957.
Nachdem schon der XK 120 seine sportlichen Talente unter Beweis gestellt hatte, machte sich Chefingenieur William Heynes an die Entwicklung einer speziell für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans konzipierten Variante: den XK120 C oder kurz C-TYPE. Das „C“ im Namen stand für „Competition“, was durch das Fehlen von Bodenteppichen, Türgriffen oder jeglichen Wetterschutzes unterstrichen wurde. Der Renn-Roadster übernahm den 3,4-Liter-Sechszylinder des XK120, ebenso dessen Getriebe und Vorderradaufhängung. Neu dagegen war die Hinterradaufhängung mit quer liegenden Torsionsfederstäben und Panhardstab. Dazu konstruierte Bob Knight einen verwindungssteifen und leichten Gitterrohrrahmen samt Hilfsrahmen zur Aufnahme von Motor und Vorderradaufhängung. Aerodynamik-Guru Malcolm Sayer verkleidete alles mit einer windschnittigen Alu-Karosse.
Mit drei rund 210 PS starken C-TYPE trat das Jaguar Werksteam im Juni 1951 in Le Mans an. Und der Coup gelang: Nach 24 Stunden hatten Peter Walker und Peter Whitehead mit einem Schnitt von 150,08 km/h die Nase vorn. 1952 klappte es zwar (ausnahmsweise) nicht in Le Mans – dafür schrieb Stirling Moss im gleichen Jahr in Reims Motorsportgeschichte: mit dem ersten Sieg eines Rennsportwagens mit Scheibenbremsen. Damit konnte er 200 Meter später die Kurven anbremsen als die Konkurrenz. 1953 gelang Jaguar dann mit dem C-TYPE auch dank der neuen Verzögerungstechnik die Revanche in Le Mans: Platz 1, 2 und 4. Versüßt durch einen Schnitt von 170,329 km/h, dem ersten von über 160 km/h.
Wer einen C-TYPE anfassen und/oder live in Action erleben will, hat auch dazu am Nürburgring die Möglichkeit: Im Jaguar Ausstellungsbereich auf Höhe der Coca Cola Kurve steht ein Modell Baujahr 1953, das der Italiener Mario Tadini bei der Mille Miglia ausführte. Das vom Jaguar Heritage Racing Team präparierte Exemplar des 52er Jahrgangs befand sich einst im Besitz des fünffachen Weltmeisters Juan-Manuel Fangio. Beim diesjährigen Grand Prix de Monaco Historique holte der bronzene C-TYPE den ersten Sieg für das neugegründete Oldtimer-Werksteam. Beim OGP darf gern der nächste folgen…
Wer C sagt muss auch D sagen – die Raubkatze mit Rückenflosse
Im Vergleich zum C-TYPE gab sich der Jaguar D-TYPE von 1954 technisch noch radikaler. Denn erstmals ließ Jaguar Erkenntnisse aus der Luft- und Raumfahrt einfließen. Revolutionär neu war das selbsttragende Monocoque aus Aluminium und Magnesium, an den ein vorderer Hilfsrahmen angeschraubt war. Die Karosserie wurde von Malcolm Sayer im Windkanal auf minimalsten Luftwiderstand und geringstmögliche Stirnfläche getrimmt, was der Schönheit der Linien und den ausgewogenen Proportionen aber keinen Abbruch tat. Das stärkste Charaktermerkmal des D-TYPE war seine Rückenfinne: Sie gewöhnte dem bis zu 275 PS starken und 280 km/h schnellen Jaguar auf langen Geraden das Schwänzeln ab.
Zwischen 1955 und 1957 gelang Jaguar mit dem D-TYPE in Le Mans ein lupenreiner Hattrick. Beim letzten Triumph okkupierten gleich fünf Wagen aus Coventry die ersten sechs Plätze – der D-TYPE war auf dem Zenit seiner Laufbahn angelangt.
Der in der Eifel im Jaguar Zelt ausgestellte D-TYPE Baujahr 1956 ist das vorletzte Modell mit verlängerter Bugpartie („long nose“). In seiner Erfolgsliste steht ein Sieg bei den 12 Stunden von Reims und – nachdem es in die Dienste des amerikanischen Cunningham-Teams übergetreten war – ein dritter Platz bei den 12 Stunden von Sebring 1957. Noch heute trägt das sehr authentische Modell die vom Reglement geforderte große Windschutzscheibe, den Sitz und die Tür für den (fiktiven) Beifahrer sowie das Original-Kennzeichen 393 RW.
Jaguar XJ-SC: Targa mit V12-Power für Lady Dia und ihre Prinzen
Eigentlich hatte Jaguar nur eine Coupé-Version des 1975 als Nachfolger des E-TYPE angetretenen XJ-S geplant. Doch führten Kundennachfragen nach einem offenen Modell zu einem Sinneswandel. Folge: 1983 kam eine Cabriolet-Version, zunächst mit neuem 3,6-Liter-Sechszylinder und Schaltgetriebe, ab 1985 dann auch mit einem V12 und Automatik.
Das Design des bis 1987 in 5.013 Einheiten gebauten Cabriolets wurde durch die fest stehenden Fensterrahmen sowie einen Targabügel bestimmt. Es war ein primär aus Steifigkeitsgründen bedingter Kompromiss, der dank eines „halben“, herausnehmbaren Hardtops und eines faltbaren Soft-tops dennoch einen hohen Frischluftfaktor bot.
Der am Nürburgring posierende XJ-SC V12 ist ein solches Modell mit Targabügel – aber keines von der Stange. Denn zwischen 1987 und 1991 diente es Diana, Princess of Wales, als Privatwagen. Damit auch die beiden Prinzen Harry und William mit auf Cabrio-Tour gehen konnten, konstruierte Jaguar eigens für Lady Di zwei Zusatz-Sitze für den Fond.
F-TYPE für 2013: The show must go on
Derweil kündigt sich die Fortsetzung der Roadster-Saga von Jaguar schon an: 2013 erscheint der neue F-TYPE, ein von Kompressormotoren angetriebenes Offen-Modell, das ein reinrassiger Sportwagen wird – die am sehnlichsten erwartete Neuerscheinung im Sportwagensegment.












